Der Hund für Blinde

Vielen Nürnbergern ist die sehbehinderte Opernsängerin Leonie Neubert bereits bekannt. Seit etwa 12 Wochen ist der zweijährige Aussi-Dor „Gustav“ an ihrer Seite und begleitet sie als Blindenführhund. Trotz der kurzen Zeit, sind die beiden bereits ein eingespieltes Team – und verstehen sich im wahrsten Sinne des Wortes blind.

„Die Wartezeit auf einen Blindenführhund kann durchaus ein bis zwei Jahre betragen. Ich hatte mit etwa einem halben Jahr viel Glück. Zwischen Gustav und mir hat es aber auch gleich gefunkt! Das ist sehr wichtig, denn ich muss mich auf ihn verlassen können“, so Leonie Neubert. Die Hunde gibt es in speziellen Ausbildungszentren und sind zwischen 1,5 und 2 Jahre alt, wenn sie ihren Dienst antreten. Vorab wird sehr genau geprüft welches Mensch-Hunde-Gespann gut zusammenpasst.

 

Die Hunde führen zielsicher zu Ampeln, Zebrastreifen und Briefkästen. Sie erkennen (Roll)Treppen und Aufzüge und schützen vor Gefahren, wie beispielsweiße Autos. Im laufe seines Lebens kann ein Blindenführhund etwa 60 – 80 Kommandos ausführen.

 

Für die Öffentlichkeit ist ein Blindenführhund an seiner beschrifteten „Weste“, sowie einem „Gestell“ zum Festhalten, dem sogenannten Führungsgestell, zu erkennen. Leider kennt nicht jeder diese Merkmale, so kommt es auch immer wieder zu Problemen und Missverständnissen. Die Hunde sind ausdrücklich in jedem Laden und öffentlichem Gebäude erlaubt.

Und wie bei anderen Hunden auch, heißt die Devise: Erst fragen, dann streicheln! Bei Blindenführhunden ist dies sogar besonders wichtig, da ihre Konzentration nicht gestört werden sollte.

 

Wenn der Hund alt wird? Wie auch beim Menschen lassen Vitalität und Konzentrationsfähigkeit im Alter nach. Daher werden Blindenführhunde zumeist mit etwa neun Jahren in „Rente“ geschickt. Das ist keinesfalls herzlos, sondern das Beste für Mensch und Tier. Für den Hund wird der Dienst im Alter zu anstrengend und der Mensch ist nicht mehr optimal geschützt. Den Entschluss Rente hat sich auch Leonie Neubert für ihren vormaligen Hund nicht einfach gemacht. „Es zerriss mir das Herz mich von meinem Diego zu trennen. Ich habe es lange herausgeschoben. Eigentlich schon zu lange. Nun hat er einen guten Platz bei Bekannten und es geht ihm hervorragend. Ich besuche ihn regelmäßig – und auch Gustav kommt immer mit. Das ist wichtig, damit Diego weiß dass sich jemand um mich kümmert.“

 

 

Wer noch mehr über den Umgang und Alltag mit Blindenführhund wissen möchte, kann Leonie Neubert per Facebook direkt kontaktieren oder eine Weiterleitung über Nürnberg Life veranlassen. Auch Kindergärten und Schulen können sich gern für einen Thementag bei Leonie melden, die sagt:„Mir ist wichtig, dass Aufklärung betrieben wird und somit ein verständnisvolleres Miteinander möglich ist.“

 

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