IM INTERVIEW MIT DR. ULRICH BALY

Ulrich Maly, geb. 08.08.1960, in Nürnberg. Seit 2002 Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg und somit für viele Nürnberger der einzige Bürgermeister, den sie bewusst erlebt haben. Herr Maly machte auf uns den Eindruck, dass er sein Amt liebt und sehr ernst nimmt. Seine Assistentin Gabriele Muhr-Weth sagt über ihn: „Er ist ein sehr guter, angenehmer Chef und immer zuverlässig!“

 

 

 

 

 

 

NL: Herr Maly, Sie sind bereites eine Ewigkeit Oberbürgermeister. War dieses Amt schon immer Ihr Traum?

UM: Nein, das wäre vermessen zu sagen. Das Amt des Bürgermeisters sucht man nicht aus. Es kommt zu einem.

 

 

NL: Warum sieht man Sie nur in der Kommunalpolitik, statt auch in der Bundespolitik?

UM: Ich bin einfach überzeugter Kommunalpolitiker. Die politischen Gespräche vor Ort und das unmittelbare Erleben von Veränderungen, das direkte Feedback der Bürger ist das, was ich schätze. Als ich vier Jahre auf Bundesebene tätig war, war ich ehrlich gesagt immer froh, wenn ich aus Brüssel zurück kam.

 

 

NL: Was schätzen Sie noch an Ihrer Arbeit?

UM: Es ist ein sehr abwechslungsreiches, wenn auch nicht immer einfaches Arbeiten. Besonders schätze ich die vielen interessanten Menschen.

 

 

NL: Nürnberg ist die Stadt mit den höchsten Preisen für den öffentlichen Nahverkehr. Warum? Und was ist mit dem geplanten 1 Euro Ticket?
UM: Das ist nicht so. Betrachtet für die Einzeltickets, ja. Aber die VAG hat so viele Sondertarife mit denen sie sogar zu den günstigsten in Deutschland zählt. Das 1 Euro Ticket ist aktuell in fünf Bayerischen Verdichtungsräumen versprochen. Ob es sich durchsetzt wird man sehen. Allein in Nürnberg würde es etwa 50 Mio. Euro pro Jahr kosten, da müsste der Freistaat sehr viel Geld in die Hand nehmen.

 

 

NL: Es herrscht Wohnraummangel. Was tun Sie dagegen?

UM: Bauen! Im Vergleich: 2008 gab es lediglich 800 Projekte, 2018 waren es 2400. Der Anteil an Sozialwohnungen liegt dabei bei 40 Prozent.

 

 

NL: Es wird also alles verbaut. Nicht gut für Naherholung und Grünflächen …

UM: Wir haben aufgrund der vielen Bauten ein Freiflächenkonzept entwickelt für welches 25 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Damit werden Parks instand gehalten, Bäume gepflanzt und sich um die Begrünung im allgemeinen gekümmert. Der Mensch braucht Natur.

 

 

NL: Nürnberg ist eine einzige Baustelle. Man hat sogar das Gefühl es werden Straßen aufgerissen die vorher in Ordnung waren…

UM: Es wird tatsächlich mehr Geld in die Straßensanierung investiert. Dadurch hat sich etwas verschoben (schmunzelt ein wenig): Früher hat man sich über die vielen Schlaglöcher beschwert. Jetzt wird sich über die vielen Baustellen beschwert. 

 

Und nein, natürlich werden keine intakten Straßen aufgerissen. Wenn, dann hat dies in der Regel mit Kabelverlegungen oder Kanalarbeiten zu tun.

 

 

NL: Was machen Sie um bei Ihrem stressigen Alltag zu entspannen?

UM: Mein täglicher Sport ist mir sehr wichtig. Ich gehe gern joggen. Meine Freizeit ist sehr rar und daher gehe ich besonders wertvoll mit ihr um. So bleibt das Handy zum Beispiel im Urlaub aus. 

 

 

NL: Herr Maly, der Club…

UM: Wir wussten es wird schwer. Es ist schwer geworden. Aber auch das Schwere werden wir schaffen.

 

 

NL: Ihr Lieblingsort in Nürnberg?

UM: Daheim, meine Küche. In der Stadt, der Kreuzigungshof im Heilig-Geist-Spital.

 

 

NL: Vielen Dank für das freundliche Interview, Herr Bürgermeister!

 

 

Interview: Sandra Henning