IM INTERVIEW MIT HANS RUDOLF WÖHRL

Hans Rudolf Wöhrl, geboren im November 1947, in Nürnberg.
Der passionierte Pilot, Unternehmer und ehemalige Geschäftführer der Wöhrl Modekette, ist weit über Nürnberg hinaus bekannt. Verheiratet ist der Vater von fünf Kindern (Emanuel † 2001) seit 1984 mit der Rechtsanwältin, ehemaligen Miss Germany und früheren CSU Bundestagsabgeordneten
und parlamentarischen Staatssekretärin Dagmar Wöhrl. 

Die Nürnberg Life Redaktion hat Hans Rudolf Wöhrl im Interview als scharfsinnigen Menschen kennengelernt, der sich traut seine Meinung kundzutun, auch wenn sie anderen nicht gefällt. 

 

Herr Wöhrl ist nicht nur als Pilot, sondern auch als Besitzer diverser Fluggesellschaften bekannt. Seine Passion begann als er mit 18 Jahren das erste Mal in einem Segelflugzeug saß. Die Freiheit schien schier grenzenlos. Er absolvierte im Aeroclub Nürnberg Flugstunden und erhielt den Privatpilotenschein. Schnell merkte der junge Mann, dass diese Art der Fliegerei nicht alltagstauglich und zudem kostspielig war. Der Verkehrspilotenschein musste her und Hans Rudolf flog viele Jahre Linienflüge. 1974 gründete er die Fluggesellschaft NFD (Nürnberger Flugdienst). 1992 wurde der NFD von ihm verkauft und zu Eurowings. Noch viele weitere Fluggesellschaften folgten.
Unter anderem die dba, Germaniaexpress und LTU die von ihm erfolgreich saniert und 2006/2007 von Air Berlin gekauft wurden.

2017 wollte Hans Rudolf Wöhrl die insolvente Gesellschaft Air Berlin retten. Doch die Bundesregierung machte ihm einen Strich durch die Rechnung, weil man wollte dass die Lufthansa den Löwenanteil übernimmt. Die zweitgrößte Deutsche Airline verschwand vom Markt „Eine Entscheidung bar jeden Verstandes und gegen die Interessen der Passagiere.“ wie er sagt.

 

Warum Hans Rudolf Wöhrl ein erfolgreicher Unternehmer ist und ob er ein besonderes Vorgehen für seine Unternehmen hat?

„Ein besonderes Geheimnis habe ich nicht. Nein. Ich denke es liegt daran, dass ich sehr vieles mache und ausprobiere. Irgendetwas klappt dann schon und wenn absehbar ist, dass es nicht klappt, trenne ich mich davon. Man muss den Mut haben auch einen Flop zu machen! In Deutschland ist das sehr schwer. Hier wird man gebrandmarkt, wenn etwas schief geht. In den USA sagt man: Es hat nicht geklappt, aber sicher hat er etwas dabei gelernt und macht es nächstes Mal besser.“

 

Ist Nürnberg ein guter Wirtschaftsstandort? Warum – nicht? Die Antwort kam schnell.

Der Unternehmer ist überzeugt vom Wirtschaftsstandort Nürnberg. Allerdings sieht er viele Fehler in der Stadtentwicklung, welche noch große Probleme hervorrufen werden. „Die Straßen werden verringert, Parkmöglichkeiten weggenommen. Wer in die Stadt möchte, kommt mit dem Auto. Das ist Fakt! Vom Land wird niemand mit dem Zug zum Shoppen nach Nürnberg fahren. Aber es wird immer unattraktiver für Autofahrer. Daher stehen bereits zu viele Läden leer. Das Geschäft fehlt, weil die Menschen lieber in Einkaufszentren am Stadtrand fahren oder im Internet bestellen. Es müsste eine klare Differenzierung geben. Der Berufsverkehr auf den ÖPNV und gute Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem PKW für Besucher der Stadt. Ich liebe die Natur und der Schutz unseres Ökologiesystems liegt mir sehr am Herzen. Aber die Entwicklung ist zu einseitig und daher fehlerhaft. Das betrifft nicht nur in die Stadtentwicklung. Auch die Automobilindustrie!“

 

Wie meinen Sie das? Was sollte noch in der Automobilindustrie geändert werden?

„Elektroautos! Ich fahre selbst seit über fünf Jahren ein Elektroauto. Aber ganz ehrlich, das ist doch nur bedingt alltagstauglich! Für mich ist es in Ordnung da ich nur kurze Strecken damit fahre und es außerdem ist es ein Hybrid. Weitere Strecken würde ich rein elektrisch nicht fahren wollen. Ich hätte immer Angst ich komme nicht mehr an weil der Akku leer ist. Und dann eine Stunde aufladen… Warum keine Wasserstofftechnik? Das wäre die Ideallösung! * Die Umwelt wird geschont, die Beschaffung ist praktikabel und günstig wäre es auch noch! Schon lange wäre die Technik so weit! Aber es ist schlichtweg nicht gewünscht seitens des Staates und somit muss sich die Autoindustrie beugen und Elektroautos herstellen.“

 

Das sind offene Worte. Kommen wir zu schöneren Themen…

Was möchten Sie in Ihrem Leben noch erreichen oder erleben? Welcher Traum brennt noch in Ihnen? „Ich hatte schon immer ein Faible für Medizin und würde mich sehr gern noch in ein Medizinprojekt einbringen. Bereits in der Vergangenheit habe ich einen Professor unterstützt, ein fabelhaftes Medikament zu entwickeln. Leider wurde es nach Übernahme eines Pharmakonzerns schnell in der Schublade versteckt. Fakt ist, es gibt vermutlich wenig Interesse an Heilung! Die Pharmakonzerne möchten lieber verkaufen und dauerhaft an einem Produkt verdienen. Auch die Krankenkassen erhalten prozentuale Gewinne aus den Kosten. Niemand hat vermutlich daher echtes Interesse daran zu sparen.“

 

Sie hatten ein interessantes, bewegtes Leben. Nennen Sie uns einen ihrer schönsten Momente…

„Das war tatsächlich, um wieder auf die Fliegerei zu kommen, der mein Freiflug. Das heißt das erste Mal im Rahmen der Ausbildung ganz alleine fliegen, ohne meinen Lehrer Paul Bleyer. Dieser Moment ist übrigens fast auf den Tag 50 Jahre her. Unglaublich bewegend waren natürlich auch die Geburten meiner Kinder und als ich sie das erste Mal auf den Arm nahm… ein unvergesslicher Augenblick.“

 

 

Nürnberg Life dankt für das interessante und offene Interview.

 

Mehr von Hans Rudolf Wöhrl in seiner Autobiografie „Wie meine Träume fliegen lernten“.

 

*siehe auch Nürnberg Life Nr. 9 – Titelstory Planet Erde – Planet Müllberg