IM INTERVIEW MIT RICK KAVANIAN

Rick Kavanian, 1971 in München geboren, ist einer der populärsten und beliebtesten deutschen Comedians und Schauspieler. Den meisten bekannt aus der Bullyparade, sowie diversen hocherfolgreichen Kinoproduktionen. Er ist ebenso als Autor, Moderator und Synchronsprecher tätig.


NL: Rick, Du hast Politik, Psychologie und Nordamerikanische Kulturgeschichte studiert. Klingt ziemlich spießig. Hast Du zwei so unterschiedlich ausgeprägte Persönlichkeiten oder wie kommt der große Sprung?
Rick Kavanian: Wenn es nur zwei Persönlichkeiten wären, wäre es leicht. Ich habe gefühlt ein dutzend Persönlichkeiten. Eigentlich wollte ich Kinderarzt werden, konnte allerdings wegen des Numerus Clausus nicht. Psychologie und amerikanische Kulturgeschichte haben mich tatsächlich sehr interessiert und Politik… nun ja, da ich zeitgleich beim Radio anfing, dachte ich: Vielleicht werde ich ja mal Journalist? „Bully“ war allerdings dagegen! (lacht) Als ich mein Studium nicht schaffte, saß ich mit „Bully“ in der Küche seines Büros und er sagte: „Mach was bodenständiges! Mach Comedy!“ Dann ging ich auf die Schauspielschule…

NL: Alle glauben Du bist Grieche. Nervt das manchmal oder ist es eher ein Glück, so sehr mit einer Rolle identifiziert zu werden?
Rick Kavanian: Total! (strahlt) Glück ist sehr schön dafür. So hatte das noch niemand gesagt. Es ist einfach toll, wie populär die Rolle des „Dimitri Stoupakis“ mit dem „Schuh des Manitu“ wurde. Das hatte am Anfang ja niemand geahnt. Wir dachten einfach, das wäre eine lustige Figur in einem Western. Rückblickend ist das ein großes Kompliment und ein unglaubliches Gefühl. Als wäre man Teilnehmer der Mannschaft, der Fußball WM 2014. Ich finde das wirklich sehr schön.

NL: Was inspiriert Dich zu deinen Rollen? Und braucht es Vorbereitung in diese zu schlüpfen?
Rick Kavanian: Alle meine Rollen basieren auf realen Beobachtungen. Es sind meist Menschen, die ich eine zeitlang begleitet oder mit denen ich gelebt habe. „Dimi“ existiert zum Beispiel wirklich. Er ist ein alter Studienfreund. Die schräge Figur Jens Maul entstand durch das Sehen einer Dokumentation über die DDR. Dadurch, dass wir beim Radio arbeiteten hatten wir nur Sprache und Stimme zur Verfügung und plötzlich war (andere Stimme) jemand da und aus dem wurde mehr. Es gelingen mir allerdings nicht alle Menschen. Josef Ratzinger hatte ich immer wieder versucht, aber es ist mir nicht geglückt. (neue Stimme) Der Papst ist nicht in mich gefahren!

NL: Gibt es eine noch nicht existierende Rolle, in die Du noch unbedingt schlüpfen möchtest?
Rick Kavanian: Eigentlich nicht. Aber, ohne jetzt Werbung zu machen, alleine im letzten Film „Die Bullyparade“ durfte ich 12 unterschiedliche Rollen spielen. Andere brauchen dafür ein ganzes Leben. Aber das bin ich. Um auf die verschiedenen Persönlichkeiten zurück zu kommen. Das liegt mir einfach. Es macht mir viel Spaß unterschiedliche Menschen zu spielen.

NL: Du bist beruflich sehr eng mit Michael Bully Herbig verbunden. Was verbindet euch privat?
Rick Kavanian: Uns verbindet eine lange Freundschaft; eigentlich sind wir wie Brüder. „Bully“ ist für mich Familie. Dieses Jahr hatten wir 30 jähriges! Es ist ein unglaubliches Glück auch noch miteinander zu arbeiten.

NL: Was sagst Du zum Nürnberger Part der Bully Parade, Diana Herold?
Rick Kavanian: Diana ist ein ganz wertvoller, lieber Mensch mit großem Herz. Sie kommt immer fröhlich zum Set und versprüht positive Energie.

NL: Was erwartet uns bei Deiner „Offroad Show“ am 30. und 31. Januar, in der Comödie Fürth?
Rick Kavanian: Das ist mein viertes und persönlichstes Programm. Ich erzähle persönliche Geschichten. Von meiner Kindheit, meiner abergläubischen Großmutter, meiner Hochzeitsreise. Also viel privates. Aber (andere Stimme) der Grieche ist schon dabei. Ohne Grieche gehe ich nicht auf die Bühne! Gleichzeitig ist es ein sehr interaktives Programm, das ich zusammen mit meinem Publikum improvisiere. Es ist also jedes Mal etwas anders.

NL: Können wir uns nächstes Jahr auf neue Produktionen freuen?
Rick Kavanian: Es ist derzeit nichts geplant. Wir werden sehen.

NL: Wie schaffst Du es bei Deinem Pensum abzuschalten?
Rick Kavanian: Das hört sich nun wahnsinnig langweilig an, aber ich gehe tatsächlich gern im Wald spazieren. Lange laufen und an der frischen Luft sein klingt so einfach, macht aber den Kopf frei.

NL: Kannst Du Filme und Radiosendungen überhaupt genießen oder bist Du permanent am Analysieren?
Rick Kavanian: Das ist tatsächlich recht unterschiedlich. In Hochphasen (Prämieren, Touren etc) ist es schon so, dass ich Inhalte und Sprache analysiere und bewerte. Da fehlt mir die Distanz. Ich kann mich aber auch verzaubern und vereinnahmen lassen.

NL: Hast Du einen Lebenstraum, den Du dir noch erfüllen möchtest?
Rick Kavanian: Nein. Das soll weder kokett noch suizidgefährdet klingen (lacht), aber ich bin froh über das was ich tue und hoffe, dass ich noch lange so weiter machen darf.

NL: Das Leben ist…?
Rick Kavanian: (überlegt kurz) Eine Reise. Eine schöne Reise. Und sie wird immer schöner, je mehr ich lerne etwas langsamer zu reisen.

NL: Vielen Dank, für das sympathische sehr kurzweilige Interview!

Interview: Sandra Henning